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Rettet kunst die Welt?

Guter Bericht von Samuel Herzog heute in der NZZ

Rettet Kunst die Welt?

«The Kaleidoscopic Eye» – eine Ausstellung mit hohen Ambitionen im Mori Art Museum in Tokio
Kunst fordert uns heraus, mehr von dem, was wir sehen, auch ernst zu nehmen – das illustriert derzeit auch eine herrlich verspielte Ausstellung im Mori Art Museum in Tokio.

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Brief an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan

Sind die Propheten niemals Kinder gewesen?
Ein offener Brief an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan in Neue Zürcher Zeitung, Samstag 25. April 2009

Wie bereits gemeldet, steht dem türkischen Schriftsteller Nedim Gürsel in seiner Heimat ein Prozess wegen «Verunglimpfung religiöser Werte» bevor – ein Novum, nachdem Literaturschaffende bisher meist wegen «Herabsetzung des Türkentums» verklagt worden sind. Im folgenden offenen Brief, der diese Woche in der Tageszeitung «Milliyet» erschien, nimmt Gürsel zu den gegen seinen Roman «Die Töchter Allahs» erhobenen Vorwürfen Stellung.

Von Nedim Gürsel

An den Premierminister der laizistischen Republik Türkei, Herrn Recep Tayyip Erdogan:

In Paris, das schon lange mein Heimathafen geworden ist, schaue ich mir jeweils spätabends die türkischen Fernsehprogramme an. So hatte ich Gelegenheit, Ihre Ansprache anlässlich der Verleihung des Grossen Preises für Kultur und Kunst an Cetin Altan, den Doyen des türkischen Journalismus, zu hören; und ich verstand die Dringlichkeit Ihres «one minute» am Weltwirtschaftsforum in Davos.

Ich erlaube mir nun meinerseits die Bitte, dass Sie «eine Minute» – oder sogar einige Minuten – Ihrer kostbaren Zeit auf den Prozess verwenden, der wegen meines neuen Romans gegen mich angestrengt werden soll.
Betrogene Hoffnungen

Bei der Preisverleihung an Altan sagten Sie mit aller Klarheit: «Heute gehört die Türkei nicht mehr zu den Ländern, die ihre Autoren vor Gericht stellen.» Auch die Tatsache, dass Ihre Regierung Schritte zur Rehabilitierung des grossen Dichters Nazim Hikmet unternommen hat, war ein Hoffnungsstrahl für mich. Diese Neuorientierung an der Spitze eines Staates, der sich demokratisch nennt, der aber vor einigen Dezennien seinen bedeutendsten Lyriker – Nazim Hikmet – zu schwerer Gefängnisstrafe verurteilte und einen seiner grossen Romanciers – Sabahattin Ali – umbringen liess, hat mir zunächst etwas von der Angst und Sorge genommen, mit der ich dem gegen mich eingeleiteten Gerichtsverfahren entgegensah. Am 5. Mai werde ich mich der Anklage gemäss Paragraf 216 des türkischen Strafgesetzbuches stellen müssen: Sie lautet auf «Verunglimpfung der religiösen Werte des Volkes».

Mein Verbrechen besteht darin, in allegorischer und imaginativer Form über den Ursprung des Islam geschrieben zu haben, stets mit Respekt vor dem muslimischen Glauben, aber doch auch unter Inanspruchnahme der Freiheit, jede Form religiöser Gläubigkeit zu hinterfragen. Obwohl der Oberstaatsanwalt aufgrund der gerichtlichen Untersuchung die Einstellung des Verfahrens anordnete, hat das erstinstanzliche Zivilgericht nun den Prozess eröffnet. Was mich aber am meisten schockiert hat, ist der Bericht des Amtes für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet), in dem ich der Blasphemie angeklagt werde; denn diese Behörde ist Ihnen unterstellt und verfügt über keinerlei Kompetenz, sich zu einem literarischen Werk zu äussern. Ich bitte Sie, der Tatsache Rechnung zu tragen, dass ich einen Roman geschrieben habe und kein theologisches Lehrbuch.

Hier nun, was in dem Bericht steht: «Das Buch des Schriftstellers Nedim Gürsel mit dem Titel <Die Töchter Allahs>, erschienen beim Verlag Dogan Kitap, ist analysiert worden. Wie aus den folgenden Auszügen ersichtlich wird, enthält es Formulierungen, die nicht nur skeptisch, sondern kritisch sind und die als Herabsetzung und Lächerlichmachung Gottes, der Propheten, der heiligen Apostel, der religiösen Prinzipien, der heiligen Schriften und des religiösen Kultus verstanden werden können.»

Herr Ministerpräsident!

Um diese Anklage zu rechtfertigen, sind Passagen aus meinem Roman aus ihrem Kontext gerissen und völlig neu zusammengesetzt worden – in der klaren Absicht, mich zu diffamieren. Anders als es der Bericht will, ist nirgendwo die Formulierung «die Mätressen Allahs, lang ausgestreckt und ganz nackt» zu lesen. Richtig heisst es (auf Seite 120): «im Paradies (. . .) warteten Huris, lang ausgestreckt und ganz nackt, auf die geliebten Diener Gottes und auf die Märtyrer».

Wenn das Amt für Religiöse Angelegenheiten ein verfälschendes Dokument unterzeichnet, ohne meinen Roman auch nur ganz gelesen zu haben – stehen dann nicht auch Sie in der Verantwortung?
«Blasphemie» – direkt aus der Bibel

Ein anderer Satz, an dem die Verfasser des Berichtes Anstoss nehmen, lautet etwa: «Dieser kleine, unbehoste Abraham ging nun entschieden zu weit.» Diese Worte lege ich dem Vater des Propheten (der biblische Abraham gilt im Islam als einer der Vorläufer des Propheten Mohammed, A. d. R.) in den Mund: Warum sollte eine solche, durchaus liebevolle Wendung, die jedem Vater in den Sinn kommen könnte, eine Beleidigung eines Propheten darstellen? Sind die Propheten niemals Kinder gewesen?

Wie Sie wissen, steht sowohl in der Bibel als auch im Koran geschrieben, dass die zwei Ehefrauen des Propheten Abraham ihm bis ins fortgeschrittene Alter kein Kind geboren hatten. In meinem Roman umschrieb ich das mit den Worten: «Keine von beiden hatte ein Kind empfangen.» Wie ist es möglich, dass ein Satz, der eine überlieferte Tatsache ausdrückt, seitens des Amtes für Religiöse Angelegenheiten als eine Beleidigung des Glaubens interpretiert wird? In welcher Religion, in welcher Zivilisation ist es ein Verbrechen, keine Kinder bekommen zu können?

Auf Seite 71 ist die Rede von den «verschnörkelten und überladenen Lettern des Korans». Als Absolvent der religiösen Imam-Hatip-Schule sind Sie mit der arabischen Kalligrafie vertraut, und wie wir alle haben Sie in der Primarschule auch das lateinische Alphabet erlernt: Finden Sie nicht, dass im Vergleich zum Letzteren die arabischen Schriftzüge durchaus etwas «verschnörkelt und überladen» wirken können – besonders wenn, wie es im Roman der Fall ist, der Ausdruck die Sichtweise eines kleinen Kindes wiedergibt?

Und wie auch immer: Ob diese Schriftzeichen nun heilig sind oder nicht, ob sie als heilig angesehen werden oder nicht, sollte ein Schriftsteller nicht das Recht haben, sich über die Buchstaben eines Textes zu äussern, ohne gleich des Sakrilegs angeklagt zu werden?
Lieber fromm als wahr?

Es trifft zu, dass ich in meinem Roman Manat zu Wort kommen lasse, eine vorislamische weibliche Gottheit der Mekkaner, die vom Amt für Religiöse Angelegenheiten kurioserweise zum «Götzen ohne Stimme» deklariert wurde. Soll es also inskünftig den Schriftstellern auferlegt sein, bei dieser Instanz – die sich eigentlich um die Administration des religiösen Lebens kümmern sollte und die Ihrer Autorität unterstellt ist – anzufragen, wie sie ihre Figuren sprechen lassen sollen?

Und wäre ich überzeugender gewesen, wenn ich Abu Sufyan, dem erbittertsten Gegner Mohammeds, Lobreden auf den Propheten in den Mund gelegt hätte? Anders gefragt: Hätten Sie «Die Töchter Allahs» der Lektüre für wert befunden, wenn ich so vorgegangen wäre?

Als mein Buch im März 2008 erschien, hat Atilla Koc, vormals Minister für Kultur und Tourismus und derzeit Abgeordneter Ihrer Partei, mich angerufen, um mir zu dem Buch zu gratulieren und zu erzählen, dass er «Die Töchter Allahs» mehreren Menschen geschenkt hat, die ihm nahestehen. Sollten auch Sie zu diesen zählen, dann bitte ich Sie, ein wenig von Ihrer wertvollen Zeit für die Lektüre zu opfern, damit Sie Ihren Entscheid nach bestem Wissen und Gewissen fällen können. Selbstverständlich ist es Sache der Justiz, am 5. Mai ein definitives Urteil zu sprechen. Aber zweifellos wird dieser Gerichtsfall in den demokratischen Ländern und in der Europäischen Union, der auch unser Land angehören möchte, nicht unbemerkt bleiben.

Hochachtungsvoll – Nedim Gürsel

Nedim Gürsels Romane erscheinen in deutscher Übersetzung beim Ammann-Verlag; das im Text erwähnte Buch liegt derzeit erst auf Türkisch vor. – Aus dem Französischen von as.

www.nzz.ch
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Kultur in Zeiten der Wirtschaftskrise

Radio DRS 4-Wochenthema:
Kultur in Zeiten der Wirtschaftskrise

Ist die Liebe zur Kultur krisenfest oder steckt die Kultur in der Krise? Die Finanzkrise hat sich längst zu einer Wirtschaftskrise ausgeweitet, zieht immer weitere Kreise und betrifft auch die Kultur.

Kann man sich Kultur angesichts steigender Arbeitslosenzahlen überhaupt noch leisten? Ist sie nicht vielmehr ein Luxus, auf den wir verzichten können? Oder vielleicht steht uns gerade in schwierigen Zeiten der Sinn ganz besonders nach Kultur?

Fragen dazu, wie sich die Krise auf die Kultur auswirkt. Die Antworten hören Sie hier auf DRS 4 News - die ganze Woche in der Gesprächsserie zu Kultur und Krise.

Eingeladen sind unter anderem:

* Pius Knüsel, Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia
* Lukas Bärfuss, Autor und Dramatiker
* Toni Krein, Leiter Kultursponsoring der Credit Suisse
* Hedy Graber, Leiterin der Direktion Kultur und Soziales des Migros Genossenschaftsbundes
* Christian Schoen, Direktor des Center for Icelandic Art

www.drs4news.ch

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Schweizer ohne Migrationshintergrund
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Schweizer ohne Migrationshintergrund

Lesenswertes aus der Neuen Zürcher Zeitung:

«Schweizer ohne Migrationshintergrund»
Wie Informationen zur Farce werden

ras. Am 10. März teilte die Kantonspolizei Nidwalden mit: «Ein 27-jähriger Schweizer ohne Migrationshintergrund hat gestanden, den Einbruch in die Kaserne Wil in Stans im Oktober 04 begangen zu haben.» Diese Formulierung fällt auf: ein Schweizer ohne Migrationshintergrund. Aber nicht der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Sie übernahm damals die Wortwahl routinemässig. Die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) folgte ebenfalls der amtlichen Vorgabe, setzte sie aber in Anführungszeichen.

Ein Kind des Zeitgeists

Der technokratische Begriff «Migrationshintergrund» hat in jüngster Zeit eine grosse Medienkarriere gemacht. Fast täglich taucht er in Berichten auf. Er ist das Kind eines Zeitgeistes, der politisch korrekt sein will und doch nichts verschweigen will. Man könnte beinahe meinen, der bisher übliche Ausdruck «Ausländer» gleiche nun einer Beschimpfung. «Migrationshintergrund» hat allerdings den informationsökonomischen Vorteil, dass ein einziges (wenn auch langes) Wort genügt zur Erwähnung der Tatsache, dass ein Schweizer ausländische Wurzeln hat.

Grund für den Erfolg des «Migrationshintergrunds» ist die von der SVP stark geprägte Debatte um Ausländerkriminalität. Vor zwei Jahren forderte die Zürcher SVP, Polizei- und Strafvollzugsbehörden müssten ihre Mitteilungen genauer formulieren. Sie hätten Auskunft darüber zu geben, ob ein Schweizer, ein Ausländer oder ein eingebürgerter Ausländer straffällig geworden sei. Zwingend sei die Erwähnung, wenn der Betreffende vor weniger als zehn Jahren den roten Pass erhalten habe. Die Zürcher Polizei folgte dieser Forderung nicht. Die Journalisten hingegen interessieren sich zusehends für diesen Aspekt und fragen bei Kriminalfällen entsprechend bei den Behörden nach. Sie wollen den Vorwurf vermeiden, Informationen zu unterdrücken und Kuscheljournalismus zu betreiben. Die Nationalität wird inzwischen routinemässig erwähnt.

Auch der Presserat, das Selbstkontrollorgan der Medienbranche, vollzog einen Sinneswandel. Früher hielt er die Nennung der Nationalität eines Täters nur im Einzelfall für berechtigt; dann nämlich, wenn dies für das Verständnis des jeweiligen Falls unerlässlich sei. Nun heisst es in der Richtlinie bloss noch: «Die Nennung der Nationalität darf keine Diskriminierung zur Folge haben.» Kein Problem sieht der Presserat mehr, wenn die Nationalität systematisch - also auch bei schweizerischen Staatsangehörigen - erwähnt wird. Wir unterstützten damals die Liberalisierung der medienethischen Regel. Auch mit dem Argument, dass die möglichst genaue Beschreibung eines Sachverhalts das Publikum besser informiert.

Gibt es Drei-Achtel-Schweizer?

In diesem Sinn wäre der neue Trend - eben das Berichten über «Schweizer ohne Migrationshintergrund» - eine Fortsetzung des Strebens nach Genauigkeit. Doch die Erfindung, die bei der ersten Lektüre zum Schmunzeln animiert, weckt vielmehr Zweifel, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Man fragt sich nämlich: Wann hat ein Schweizer keinen Migrationshintergrund? Wenn er seit mehr als zehn Jahren eingebürgert ist, wie es die Zürcher SVP forderte? Wenn beide Elternteile schon Schweizer waren? Oder wenn mindestens ein Elternteil seit fünf Jahren den roten Pass besitzt? Die Präzisierung weckt also mehr Fragen, als sie Antworten gibt. Entsprechend drängen sich weitere Differenzierungen auf. Muss man künftig über halbe, Drei-Viertel- oder gar Drei-Achtel-Schweizer berichten? Damit läge schon bald die Forderung nach einem «Ariernachweis» in der Luft. Das wäre mehr als grotesk.

Der formalistische Präzisierungseifer erledigt sich damit selber. Vielleicht sollten die Medienschaffenden zur alten Regel zurückkehren und in Meldungen keine Nationalitäten mehr nennen, weil diese Information inhaltsleer bleibt. Wenn sich aber ein Journalist eingehend mit einem Kriminalfall beschäftigt, wird er selbstverständlich den sozialen Hintergrund eines Täters zum Thema machen. In diesem Kontext würde dann auch verständlich, was die Nationalität des jeweiligen Akteurs bedeutet.

Dieser Artikel wurde am 20.03.2009 in der Neuen Zürcher Zeitung publiziert.
Rainer Stadler (ras.) Redaktion Beilagen - Medien und Informatik. www.nzz.ch

Stadler   1958 geboren in St. Gallen. Studium der Philosophie und der französischen Literatur in Zürich und Paris. Lizenziat über Theodor W. Adorno. Danach Mitarbeiter eines Pressebüros. 1989 Wechsel zur NZZ. Dort jetzt zuständig für Medienpolitik, Medienberichterstattung und medienethische Fragen, hauptsächlich im Ressort Inland und für die Beilage «Medien und Informatik» tätig.
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Landschaftsarchitektur aus der Schweiz

«Spezifisch» 40 Projekte von 28 Landschaftsarchitekturbüros
Dienstag 25/03/08 18:30, Kornhausforum Bern, Stadtsaal
Vernissage «Blicke auf die Landschaftsarchitektur»

Referenten: Regula Rytz Gemeinderätin Bern, Claudia Moll Landschaftsarchitektin Mitkuratorin Zürich, Pierre Feddersen Architekt und Städtebauer Zürich

pe lang + zimoun «untitled sound objects» live performance

Zimoun-Installation

In Zusammenarbeit mit dem BSLA

Mittwoch 26/03/08 bis Sonntag 20/04/08
Kornhausforum, Galerie Ausstellung

Landschaftsarchitektur ist die Beschäftigung mit Wachstum, Zeit, Veränderung; die Inszenierung von Sinnlichkeit; der Umgang mit den Elementen Wasser, Erde, Luft. Die Ausstellung wagt die These: Es ist die Eigenheit und das Potential der schweizerischen Landschaftsarchitektur, dass sie das Besondere, das Spezifische herausarbeitet. Dass sie konkret am Ort und in der Zeit verwurzelt ist; dass sie Projektansätze entwickelt, die nicht übertragbar sind.

Geoffrey Bawa, Architekt Sri Lanka – zwischen Urwuchs und Manipulation
Dienstag 01/04/08 18:30, Kornhausforum, Mediensaal

Referent: Maurus Schifferli Landschaftsarchitekt BSLA Bern
Einführung: Fritz Schär Jurypräsident Reisestipendium Kunst- und Architektur des Kantons Bern
Programmation: Hänggi Basler Landschaftsarchitektur Bern

www.architekturforum-bern.ch

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Guter Beitrag über Bora Cosic

Der serbische Schriftsteller Bora Cosic lebt seit 15 Jahren im Exil. Aus Protest gegen die Kriegspolitik des damaligen Machthabers Slobodan Miloševic hatte er Belgrad 1992 verlassen. In Serbien nahm damals kaum jemand von seinem Weggang Kenntnis, obwohl Bora Cosic als einer der wichtigsten serbischen Schriftsteller gilt.

Von Berlin aus beobachtet der heute 75-Jährige mit Verwunderung, wie die ehemaligen jugoslawischen Republiken in Richtung EU drängen.

von Walter Müller, Radio DRS, 26.12.2007

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Mit Aldi nach Amerika

Der Discounter bietet Fernreisen zum Schnäppchenpreis: Eine Woche Ostküste für 799 Euro. Was man sieht und wen man trifft.

Von Wolf Alexander Hanisch, DIE ZEIT, 29.03.2007

"Wer besucht New York, die Niagarafälle, Washington und Philadelphia mit Flug, Busfahrten und sechs Übernachtungen für gerade mal 799 Euro?"

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Was kommt uns in den Sinn, wenn wir an Architektur denken?

Der Unfall Von Christoph Mäckler, Merkur, Nr. 695, März 2007

Was kommt uns in den Sinn, wenn wir an Architektur denken? Denken wir an Ordnungssysteme der Architektur, Ordnungssysteme der Stadt?

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Was ist CUE?

CUE – THE INSTITUTE OF CONTEMPORARY URBAN ENCOUNTERS - Was ist das?

Von Kevin Mueller

CUE ist ein Projekt, das im Jahr 1999 von mir angedacht und im folgenden Jahr mit Sarah Huber, Michael Pfister, Lorenz "Lopetz" Gianfreda, Stefan Wolf und Uwe Wittwer initiiert wurde. Vor ca. 4 Jahren, stiess Walter Mueller mit Sitz in Belgrad als sogenanntes "Ostbüro" dazu.

Die Idee des CUE Institutes basiert auf folgender Beobachtung: Klubkultur und Musik sind Elemente, die Menschen unterschiedlichster Generationen und Professionen zu berühren und zu inspirieren vermögen. Als Veranstalter, DJ, und Künstlerassistent, befand ich mich in idealer Position, solche Feststellungen immer wieder zu machen.
Zudem trieb mich eine grosse Liebe zum urbanen Raum, – eine Liebe die als Antithese zu meiner gewohnten kleinstädtischen Umgebung diente.

Über lange Zeit, war der Leitsatz von CUE:
CUE ist eine Institution, die zum Zweck hat, Menschen mit einem gemeinsamen Stil oder ästhetischen Verständnis zu kreativer Arbeit an einem bestimmten Thema zusammen zu bringen. Das Thema ist der „Urbane Raum“ und der gemeinsame Nenner ist das Verständnis von Klubkultur als Zentrum urbaner Kultur.

CUE entstand aus dem Kontext der Klub - oder Dancefloorkultur -, mit dem Anspruch, eine Welt von Musik, Bildender Kunst, Design, Architektur und Performance in ein Kunstprojekt mit sozio-kulturellem Überbau zu packen, und dieses in eigenen Räumlichkeiten in Form eines Institutes der Welt zu präsentieren. Der ursprüngliche Wunsch war, als Institut in mehreren Städten präsent zu sein, um Austauschprojekte zu ermöglichen und Forschung zu betreiben, die den Bogen von Soziologie bis Kunst spannen sollte. Warum denn so bescheiden...

Mit dem Ende der von CUE geführten Klubserie "Echo Club" Mitte 2004, mit fortschreitender Zeit und den Schwierigkeiten, grössere Geldmittel zu akquirieren, änderte sich die Ausrichtung von CUE. Aufgrund dieser Entwicklung und einer eingehenden Diskussion an einem gemeinsamen Workshop in Belgrad, entstand Ende 2005 ein neuer Leitsatz:

Das CUE Institut befasst sich mit Themen der Kunst sowie der urbanen Gesellschaft und setzt sich zum Ziel, das Zusammenspiel dieser Elemente zu fördern und zu erforschen.

Durch die offenere Formulierung unseres Leitsatzes, zeigt sich ein stärkerer Realitätsbezug und durch das Weglassen der Klubkultur eine Neuausrichtung, die CUE stärker als zuvor in einen Kunstkontext stellt.

Mitwirkende
Sarah Huber (*1972), Modefachfrau, Bern
Michael Pfister (*1979), Bildredaktor, Fotograf, Bern
Uwe Wittwer (*1954), Künstler, Zürich
Lorenz "Lopetz" Gianfreda (*1971), Grafiker, Bern
Walter Müller (*1950), Journalist, Belgrad
Stefan Wolf (*1974), Grafiker, DJ, Zürich
Kevin Mueller, (*1974), DJ, Künstlerassistent, Webdesigner, Bern

Plattform:
www.urbanfields.net mit folgenden Elementen:

Fieldreport - die Medien-Webseite von CUE. Hier wird publiziert und verlinkt was uns interessiert. Ein Sammelsurium von fremden und eigenen Beiträgen aus verschiedenen Quellen, mehrheitlich ab Webseiten von Printmedien.

Fields - eine umfangreiche Sammlung mit Fotos von Städten dieser Welt (verschiedene Autoren)

Showroom - Eine Onlinegalerie für Multimediaarbeiten, eigene sowie eingesandte Fremdarbeiten.

Echo Club - Dokumentation zur Klubserie von CUE (2000 - 2004).

Édition Idéal - Der CUE Verlag, geführt von Uwe Wittwer und Kevin Mueller. Publiziert Künstlerbücher, Mappen und DVDs.

Publikationen:

Édition Idéal 2005, «Monsun I-III». Artist booklet von Uwe Wittwer, Text Markus Stegmann. 48 Seiten, Softcover, handgebunden.

Édition Idéal 2005, «Museum»
limited edition DVD by Kevin Mueller and Uwe Wittwer

CUE promotional CD-Rom mit zwei Videos von Sarah Huber, Kevin Mueller, Lump200, Niels Jensen. 16 Seiten Booklet.

Édition Idéal 2001, «To the Stadium»
limited edition DVD von Kevin Mueller und Uwe Wittwer

Édition Idéal 1999, «Relative Stille / Relatively Still». Künstlerbuch von Uwe Wittwer. 64 Seiten s/w, Hardcover, Fadenheftung.
Mit einem CUE Remix produziert von Buro Destruct als VHS and Quicktime.

Édition Idéal 1998, «Vorstadt»
limited edition Mappe mit 8 Inkjet Prints von Uwe Wittwer

Édition Idéal 1998, «10.3»
limited edition Mappe mit 8 Inkjet Prints von Uwe Wittwer

Ausstellungen:

2002 CCC Contemporary Culture Convention, Bern. (CUE Stand mit Videokabine)

2003 "Beyond One" - von CUE produzierte, internationale Street Art Performance und Ausstellung am Urbanskills Festival, Reitschule Bern.
Mit ROSTARR, EASE, SCRAWL COLLECTIVE’S MR. JAGO & NICK WALKER, SHE-ONE, REQ, SIMPLE COMMON SENSE.

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LONDON: Im Netz der kommunizierenden Röhren

Londonstreets 1Londonstreets 2Londonstreets 3Londonstreets 4

Bettina Spoerri über die Faszination London's

Im März 2005

Wieder einmal bin ich einige Tage in London. Früher besuchte ich hier meine Grosstante, sie verbrachte hier die letzten dreissig Jahre ihres Lebens und betonte immer, sie könne sich nicht vorstellen, je wieder in der Schweiz zu leben: Da sei es ihr zu eng. In manchen Stadtteilen Londons fühle ich mich zu Hause; in wenigen Städten auf der Welt gibt es so eine Vielfalt an Kulturen, die dicht nebeneinander und manchmal sogar miteinander existieren. Am liebsten gehe und fahre ich stundenlang durch London, ohne definiertes Ziel, schaue mir die Menschen an, die Strassen, den Verkehr. Vor allem der ist hier bemerkenswert – nicht nur, weil er linksorientiert ist. Im Transportsystem Londons spiegeln sich die Nostalgie, die Tradition, aber auch das Modernitätsstreben der Metropole.
Ich gehe und gehe – stehen bleiben darf man nicht, sonst wird man umgestossen oder bestenfalls heftig angerempelt. In London muss der Verkehr fliessen, andernfalls droht hier schnell der Kollaps. Auf der Oxford Street sind viele Touristen unterwegs – und deshalb auch noch die roten Doppeldecker-Busse, manche von ihnen sogar noch mit Aufspringplattform und Kondukteur, der Auskunftsperson, Gesprächspartner und „starker Arm“ für die älteren Fahrgäste ist. Doch die „Roten“ werden bald ganz wegrationalisiert, ersetzt durch die fahrtüchtigeren einstöckigen Importmodelle, die Bendy Busses mit ihren Kurvenscharnieren – allerdings nicht ohne Protest der Nostalgiker, die daran erinnern, dass die Doppeldecker wie die roten Briefkästen und Telefonkabinen und der Big Ben zum internationalen Image und zur Identität Londons gehören. Die ausrangierten Routemasters kurven derweil schon durch Indien und Kuba.

Linien und Farben
Neuerungen wie diese gibt es zurzeit viele im so traditionellen Londoner Verkehrssystem. Das U-Bahn-Netz wurde erweitert durch die Docklands Light Railway und die Jubiläums-Jubilee Line. Und trotzdem befindet sich das Transportsystem noch immer an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit, denn es gibt heute 20 Prozent mehr Fahrgäste. Weil London wächst und wächst. Aber auch, weil der amtierende Bürgermeister Ken Livingstone eine Maut auf das Befahren der City mit Personenwagen eingeführt hat.
In der Circle line könnte ich sitzen bleiben und immer im Kreis herum fahren, doch nach mehreren Stationen steige ich wieder aus und um, lasse mich von den Wegweisern und Befehlen führen: „Keep left!“, der Linksverkehr gilt hier auch für die Fussgänger in den unterirdischen Gängen. „Stand right!“, „No Smoking!“. Und immer wieder: „Bomb Shelter“. Ich wähle schnell: Den Gang rechts oder links? Die Rolltreppe dort oder hier, auf oder ab? Rot, Dunkelblau, Schwarz – oder wieder Gelb? Die geometrisch angelegten Linien des weltberühmten diagrammatischen Plans mit den klar identifizierbaren Farben für jede Linie – z.B. Schwarz für die Northern line oder Gelb für die Circle line – wurde von vielen Transportunternehmen in der Welt kopiert. So lerne ich dieses Mal im London Transport Museum am Covent Garden. Das Logo der Londoner Untergrund-Bahn: ein dicker Kreis mit einem darüber hinaus lappenden Balken, das zudem auch alle Stationen ziert, hat die Faceliftings seit 1916 unbeschadet überstanden. Im Museumsshop wird daraus wacker Kapital geschlagen: Hier ist alles – Socken, Tassen, T-Shirts, Kappen, Farbstifte, Uhren und mehr – mit dem Logo und den charakteristischen Farben versehen. Und ich verstehe nun, warum der neue Heathrow Express – samt Polstermuster und Angestelltenuniformen – in ein geschmackloses Violett eingefärbt ist: Die Farbe war noch nicht besetzt.

tube – rush hour – jam
Gemeinsam mit einer wachsenden Menschenmenge warte ich wieder auf den nächsten U-Bahn-Zug. „The Sea Inside“, das Gesicht des Oskar-gekrönten Schauspielers Javier Bardem, auf die Wände jeder Station gepflastert, blickt auch hier, auf zwei Meter aufgeblasen, auf uns herab und doch an uns vorbei. Sich auf sich selbst zurückziehen und in der Fantasie über weite Landschaften fliegen: Eine Fähigkeit, mit der man in diesem Labyrinth „under ground“ auf Dauer überleben müsste. Die Menschen sehen müde aus, erschöpft, die Stadt zehrt an ihnen. Die wenigen Schalensitzbänke sind alle besetzt, aus dem Schacht weht uns ein leichter Wind an, der nach Fäulnis stinkt. Ratten rennen unter den Geleisen durch, verschwinden in die Dunkelheit des Schachts hinein, die Menschen oben schauen, mit Ekel und Neugier. Dem sinnlichen Mund Bardems gegenüber ist in riesigen Lettern zu lesen: „The Greater Show is Earth!“, darunter bemalte Gesichter, Ureinwohner, woher, ist nirgends zu lesen, eine Steppe, daneben mit Ausrufezeichen bekundete mediale Begeisterung: „breathtaking!“, „unmissable!“, “unforgettable!” “spectacular!”, “magical!”, „Seeing is believing!“. Andere Plakate werben dafür, dass London 2012 Olympia-Stadt werden soll.
Ein tiefes Grollen wie von einem Donner lässt den Boden erzittern, das unheimliche Wummern kündigt die Ankunft einer U-Bahn an – der „tube“, wie die Londoner sagen. Die tube, die „Röhre“: Damit war eigentlich einmal die Röhre gemeint, die man gegraben hatte, damit die ersten, noch mit Dampf betriebenen unterirdischen Züge durch sie hindurch fahren konnten. Vor hundert Jahren entstand das U-Bahn-Tunnelnetz, es wuchs rasant, und mit „die Röhre“ meinte man bald die Züge und nicht mehr die Tunnels.
Wie „the tube“ gibt es andere Begriffe, hinter denen in Zusammenhang mit dem Verkehr in London ganze Geschichten stehen. Meine Grosstante, die vor einigen Jahren als über 90-Jährige in London gestorben ist, vermied es konsequent, während der „rush hour“ in der Stadt unterwegs zu sein. Sie konnte mit dem schnellen Marschtempo nicht mehr mithalten. Einen „jam“ hingegen, einen Verkehrsstillstand, wollte sie ebenso wenig miterleben. So wagte sie sich nur zwischen 9 und 11 Uhr und zwischen 14 und 16 Uhr in die Stadt, ging zielstrebig zum Arzt oder in einen Laden und setzte sich in kein Café, sondern floh wieder nach Hause, bevor die arbeitenden Massen aus den Büros strömten. Immer wieder waren die steilen Rolltreppen in der tube station, wo sie wohnte, „out of order“; dann brauchte sie eine Viertelstunde, bis sie an der Erdoberfläche angelangt war.

London unter London
Die tube misst 1600m2 Grundfläche, mit über 400km Schienen: Ein unübersichtliches Gewirr von Gängen und Schächten. Bis zu einem Drittel der Londoner sind jeweils in den Tunneln unterwegs, um von einem Punkt zu einem anderen Punkt im Koordinatensystem der riesigen Stadt zu gelangen. Doch neben diesem rege benutzten Röhrennetz gibt es ein mindestens eben so grosses Netz, das stillgelegt ist, mit unzähligen Geisterbahnhöfen. In Londoner Buchläden stehen Regale voller Bücher – „London under London“ heisst eines der bekanntesten – über die Röhrenmetropole unter den Häusern Londons. Während des Zweiten Weltkriegs verbargen sich die Londoner da unten vor den Luftangriffen der Deutschen.
Die Tunnels hier unten haben etwas von einem Alptraum, in dem man nie mehr den Ausweg findet. „Mind the Gap!“, mahnt eine tiefe, automatische Stimme. In den Wagen der U-Bahn drin sitzen die Leute sich auf langen Bänken gegenüber, sie müssen sich ansehen oder ihre Augen hinter einer Zeitung oder einem Buch vergraben. Ich lese mit. Keine „20 Minuten“-Gratiszeitungen, dafür Cartwright, Yann Martel, ein Buch zu Katmandu, der Evening Standard. Viele der Passagiere, ihre Wurzeln lagen irgendwann einmal in Schwarzafrika, Indien, Sri Lanka, China, Ost- und Westeuropa, schliessen für ein paar Augenblicke die Augen. Immer wieder flackert das grelle weisse Licht, das die Gesichter bleich und ausgemergelt erscheinen lässt. Bankers mit ihren Aktenkoffern und blank polierten Schuhen steigen ein, unterhalten sich laut und angeregt. Ein Mann schwankt durch die Gänge und bettelt. Ein asiatisches Liebespaar mit Piercings überall schmust in einer Ecke. Ein alter indischer Mann ordnet den dünnen weissen Plastiksack auf seinen Beinen immer neu. Dann endlich steige ich aus und vertraue mich den „Way Out“-Schildern an.
„Planning a city break?“, fragt mich ein Werbe-Plakat. Das muss der Wunsch von vielen Londonern sein: diesem Moloch zu entfliehen. Ich komme wieder.

Bettina Spoerri, geboren 1968 in Zürich, aufgewachsen in Basel. Phil. I. Studium in Zürich, Berlin und London, Promotion 1998.
2001-2003: Kulturredaktorin St.Galler Tagblatt. Lebt heute als Kulturvermittlerin und freie Journalistin in Zürich und schreibt an einem längeren Prosatext, der u.a. in London spielt.

seismograf.ch - die Website von Bettina Spoerri - www.seismograf.ch

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